30 Sänger des Liederkranzes Zellhausen reisen im Oktober zum musikalischen Austausch in die USA. Ihr Gastgeber komponiert eigens zwei Lieder für den gemeinsamen Auftritt.
Zellhausen – Reine Männersache geht auf Tour. Die etwa 30 Tenöre und Bässe dieser Chorformation vom Liederkranz Zellhausen bereiten einen Besuch auf der anderen Seite des großen Teichs vor. Dazu studieren sie derzeit ein ganz besonderes Programm ein, bevor es am 5. Oktober heißt: „From Hessen to Colorado“. Dort werden sie mit ihrem Dirigenten Roman Zöller von den Rocky Mountain Chamber Singers für zehn Tage zum musikalischen Austausch und natürlich zu Konzerten erwartet.
Von Franz Schubert bis Comedian Harmonists
Vor etwa zwei Jahren haben die Planungen für die Reise begonnen. „Dass sie zustande kommt“, erläutert Holger Wolf, Vorsitzender vom Liederkranz, „ist einer familiären Verbindung aus den eigenen Reihen zu verdanken. Eines unserer Mitglieder hat dort einen Cousin, David Dunbar, der zwei Chöre leitet.“ Konzipiert wurde eigens ein breit gefächertes Programm mit einem Querschnitt der deutschen Chorliteratur, um einen Einblick in die Tradition des deutschen Liedguts zu geben. Geboten werden Stücke unter anderem von Franz Schubert, Robert Schumann, Carl Orff, aber auch von den Comedian Harmonists.
Die Chorkultur ist in Deutschland tief verwurzelt. Darum wird das Vorhaben auch vom Goethe-Institut unterstützt. Die Kriterien, die das renommierte Institut anlegt, um sich auch finanziell mit einem Zuschuss zu beteiligen, sind streng. Die Liste der Werke wird auf Qualität geprüft und die Sänger müssen stimmlich über ein hohes Niveau verfügen. Hier kann die Chorgemeinschaft, die sich 2014 aus Sängern des Liederkranz und des Gesangvereins Harmonie zusammengefunden hat, mit zahlreichen ersten Preisen bei regionalen, nationalen und auch internationalen Wettbewerben punkten, beispielsweise in Somborn/Freigericht oder in Llangollen/Wales.
In den USA treffen die Sänger auf ein Ensemble, das keine reine Männersache, sondern gemischt ist. Die Anzahl der Chormitglieder ist in etwa gleich. „Das Hauptkonzert findet in der First Presbyterian Church in Fort Collins statt“, erläutert Holger Wolf, „denn die meisten Chöre in den Vereinigten Staaten bilden sich innerhalb religiöser Gemeinschaften und sind nicht, wie bei uns, in Vereinen organisiert.“ Besonderer Höhepunkt bei dem Auftritt werden zwei Lieder sein, die der amerikanische Dirigent David Dunbar eigens zu diesem Anlass komponiert hat und die dort mit dem amerikanischen Chor einstudiert werden. Hierzu findet im Vorfeld ein Workshop statt, den Dirigent Roman Zöller zugleich als klingende Geschichtsstunde gestalten will. „In Wort und Gesang wird es einen Abriss der Historie des deutschen Lieds geben, von der Romantik bis in das 20. Jahrhundert hinein“, führt er aus, „außerdem freue ich mich ganz persönlich sehr darauf, endlich international wieder Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch zu haben, der mit Corona doch spürbar zum Erliegen gekommen ist.“
Dafür gibt es reichlich Gelegenheit, denn die Teilnehmer nächtigen nicht im Hotel, sondern bei den amerikanischen Chormitgliedern. Ein Gegenbesuch soll möglicherweise 2028 stattfinden. Im Verlauf der Reise gibt es neben vielen anderen Programmpunkten noch ein weiteres Konzert in der Prost Brewing Brauerei in Northglenn, bei dem es um Trinklieder geht, die aber aus der Feder bekannter Komponisten wie beispielsweise Felix Mendelssohn-Bartholdy, Friedrich Silcher oder Carl Orff stammen. Die dreißig Sänger aus Mainhausen können es kaum erwarten, ihre Koffer zu packen, die Kulisse der Rocky Mountains zu sehen und musikalisch ein neues Publikum zu erobern. Bevor es endgültig „Abflug“ heißt, gibt es, gewissermaßen als Generalprobe, noch einen Auftritt beim Konzert „ZusammenKlang, wie Stimmen sich verbinden“, zu dem der Frauenchor des Gesangsvereins Liederkranz Zellhausen für Samstag, 3. Oktober, um 19 Uhr ins Bürgerhaus Zellhausen einlädt.
(28.09.2026 - Kordula Egenolf - Offenbach Post)
